Wo hört das eine auf und fängt das andere an? Gibt es überhaupt eine Grenze?
Ich mag die Geschichte von den drei Adlern:
Drei Adler - schön und stolz.
Mit ihren prächtigen Schwingen segeln sie durch die Lüfte, hoch über den Tälern, frei und lebendig. Alle drei sind jetzt auf der Jagd, sie haben Hunger, spähen nach Beute, folgen ihrer Natur. Dort! - Feldhasen!
Wie Pfeile schießen sie vom Himmel, blitzschnell, zielsicher, gewaltig und doch leise. Sie greifen ihre Beute, hauchen sein Leben aus. Noch während sie ihre Schnäbel in das frische Fleisch hacken, fallen drei Schüsse. Nun sind auch die drei Adler tot.
Alle drei werden wiedergeboren als Adler, doch nun sind sie nicht mehr gleich.
Die Seele des ersten Adlers sagt: Ich habe gejagt und getötet, deshalb wurde ich erschossen. Also ist jagen und töten schlecht. Da jagen und töten schlecht ist, bin auch ich schlecht, sobald ich meinem Trieb folge. Meine einzige Rettung ist die Unterdrückung meiner Instinkte. Deshalb ziehe ich mich nun zurück hoch in die Berge. Meine Nahrung soll aus Beeren bestehen und ich will Buße tun in karger Einsamkeit. Das Schlechte in mir darf keinen Raum finden, sich zu entfalten.
Die Seele des zweiten Adlers sagt: Ich habe gejagt und getötet und mich damit zum Feind des Menschen gemacht. Ich will aber keine Feinde, sondern gut sein mit jedermann. Dafür opfere ich meine Freiheit, begebe mich in einen Käfig und tu, was mir mein Falkner befiehlt. Ich fresse, was er mir gibt und bin zufrieden, wenn er es ist.
Die Seele des dritten Adlers sagt: Ich habe gejagt und getötet, so wie es meine Natur ist, wenn ich Hunger habe. Dabei wurde ich selbst getötet. Das ist das Leben, zu dem der Tod gehört. Doch ich bin wiedergeboren als freier Adler und wieder breite ich meine Schwingen aus zu ihrer vollen Spannweite und ich segle durch die Lüfte. Ich lebe und ich bin.
Dreimal die gleiche Ausgangssituation, dreimal der gleiche Neustart, aber drei unterschiedliche Wirklichkeiten durch unterschiedliche Überzeugungen in unterschiedlichen Weltbildern - wirklich wahr...



